Historischer Roman ohne Geschichte

Das Buch: Madeleine, eine französische Historikerin, soll auf Bitten der Mutter einen historischen Text übersetzen. Doch dann stirbt ihre Mutter. Das treibt Madeleine eher an, neben dem Alltag und Trauer das ganze Buch, aus dem der Text stammte, zu übersetzen. Das Buch, ein Erbstück aus dem Familienbesitz Madeleines, ist ein altes Tagebuch einer Näherin. Diese erzählt über die Entstehungszeit des Teppichs von Bayeux. Denn dieser Teppich wurde eigentlich ganz anders interpretiert und ausgestellt. Und Madeleines Familie ist da irgendwie auch in das Geheimnis involviert….

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Das Fazit: Eigentlich klang dieses Buch ziemlich gut: Familiengeheimnis auf zwei Zeitebenen, die irgendwie gegen Ende sich ineinander verweben. Schön wäre dies gewesen. Hier leider nicht. Natürlich findet man hier zwei Ebenen: die von Madeleine in der heutigen Zeit und von Leofgyth, die vor tausend Jahren in England lebte. Doch mehr als die Übersetzerin des Textes ist Madeleine nicht.

Madeleine, eine geschiedene Frau Ende dreißig, lebt ihr Leben. Sie ist Professorin an einer Universität und hat eine schicke Wohnung. Der Tod der Mutter wirft sie natürlich aus der Bahn. Ablenkung findet sie in der Übersetzung des Tagesbuches. Doch mehr tut sie auch nicht. Sie pendelt zwischen ihrer Wohnung und der ihrer verstorbenen Mutter in Canterbury hin und her. Doch Recherchen sind hier fehl am Platz. Die Autorin lässt Madeleine leider absolut keinen Freiraum, keinen Mut, kein Nachdenken. Und dabei hat Madeleine doch eine gute Backstory, die durchaus für mehr Drama und Interaktion sorgen hätte können.

Ein Beispiel: Da wird auf einigen Seiten ein netter Mann eingeführt, den Madeleine auf einer Party des Nachbars traf. Doch er interessiert sich gleich für das Tagebuch, das Madeleine unvorsichtiger weise offen auf ihrem Wohnzimmertisch liegen lassen hat. Doch statt dem Klischee des mysteriösen Gegenspielers zu nehmen, hat die Autorin diesen Mann wohl auch ziemlich schnell wieder vergessen. Erst viel später kommen Hinweise auf, was es mit ihm auf sich hat. Aber das ist eher Nebensache. Selbst Madeleine macht sich keinen Kopf, dass sie nach der Aktion mit dem Tagebuch in den Händen des Mannes in Gefahr schweben sollte. Denn anscheinend ist das Tagebuch extrem geheimnisvoll.

Leofgyth, die Tagebuchschreiberin, ist eine junge Frau im alten England. Dort arbeitet sie am Hofe als Näherin und Stickerin. Und ist damit sehr nah an der Wahrheit dran. Dass sie als Frau zu dieser Zeit überhaupt lesen und schreiben konnte, hat sie einem Freund, einen Mönch, zu verdanken. Heimlich schreibt sie die Geschichten auf, die sich schon damals hinter verborgenen Türen stattfanden. Natürlich ist dies das große Geheimnis. Aber wirkliches Drama und Macht spielen hier keine Rolle. Denn Leofgyth ist auch nur eine Beobachterin.

Verbunden werden diese zwei Geschichten recht unspektakulär. Und Madeleine hat dabei eh kaum etwas beigetragen. Das machen dann die Nebendarsteller in dieser Geschichte.

Dieses Buch dreht sich um die fiktive Entstehung des Teppichs von Bayeux. Darauf macht dieses Buch durchaus Lust, sich mit dem Teppich näher zu beschäftigen. Denn dieser ist aufgrund seiner Größe und Detailliertheit sehr geschichtsträchtig. Da kann die eigentliche Story des Buches kaum mithalten. An sich ist die Idee der Geschichte um diesen Teppich trotzdem recht kreativ. Leider mangelt es hier an der Umsetzung.

Zusammenfassend ist es ein netter historischer Roman. Mehr aber auch nicht.

3 Sterne

Weltbild Ausgabe – 441 Seiten (Paperback) – 9,99€

ISBN 978-3548286792

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