Ein Buch, was einen packen sollte – es aber nicht tut

Das Buch: In dem kleinen verschlafenen Örtchen Lorain in Ohio leben so einige Personen, die sich ihr Leben etwas anders vorgestellt haben. Allen voran die kleine Pecola Breedlove. Sie ist, wie der Großteil in Lorain, schwarz. Doch warum? Sie möchte doch einfach nur sehr blaue Augen haben. Und sie glaubt, dieses Ziel erreichen zu können….

Toni Morrison - Sehr blaue Augen

Fazit: Es ist ein Buch, das einen packen sollte. Ein kleines schwarzes Mädchen möchte unbedingt blaue Augen haben. Doch irgendwie konnte nie dieser innere Konflikt von Pecola überzeugen. Denn dies scheitert allen voran an der Erzählperspektive. Die Hauptstory dreht sich um die Geschwister Frieda und Claudia. Beide im Alter von Pecola. Und Claudia erzählt ihre Erlebnisse, in denen immer wieder Pecola auftaucht. Diese Erlebnisse sind gut durchdacht und geschrieben. Doch das ist leider nur die Hälfte des Buches.

Die restlichen Kapitel werden mit Lebensgeschichten und Charaktergeschichten aus der Nähe von Pecola gefüllt. Den Schicksalen ihrer Mutter, dem Vater, Schulfreund und Pastor werden hier einige Seiten gewährt. Doch so wirklich passen diese nicht zu dem Mädchen, das unbedingt blaue Augen möchte. Es sollte ihre Geschichte sein, und nicht die der anderen. Auch führen diese Kapitel zu Brüchen in dem Buch. Die Erzählungen der Personen beginnen weit in der Vergangenheit. Deren Lebensgeschichte wird auf wenigen Seiten mehr oder weniger heruntergeschrieben. Der Leser schaltet dabei schnell ab, wenn man wissen möchte, was nun diese Geschichte mit Pecola gemein hat.

„Ein schwarzes kleines Mädchen, das aus der Grube seiner Schwärze aufsteigen und die Welt mit blauen Augen sehen wollte.“ Seite 140

Pecola bleibt im ganzen Buch über eine Randfigur. Vielleicht war das auch die pure Absicht des Autors. Ein ausgegrenztes Mädchen, dass etwas haben möchte, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Man muss sich also dieses Buch für sich erarbeiten. Es wird dem Leser nicht einfach gemacht. Leider schwingt hierbei zu wenig Gefühl mit, um dem Dilemma des Mädchens zu folgen.

Positiv anzumerken ist das Nachwort der Autorin. Darin erklärt sie das warum, wieso und weshalb.  Dieses Nachwort hat sie lange nach der Erstveröffentlichung geschrieben. Und so reflektiert sie sich selbst. Sehr ehrlich.

Ich kann verstehen, warum dieses Buch bei der Bücherkultur Challenge gelistet wurde. Es ist ein Klassiker, der den Rassismus aus einer anderen Perspektive aufzeigt. Leider konnte mich dieses Buch doch nicht so packen, wie es beabsichtigt ist.

Zusammenfassend ist es ein gutes Buch. Man muss sich darauf einstellen, die Geschichte selbst zusammenbauen und zu erschließen. Dann kann diese doch traurige Story doch berühren.

3 Sterne

Rowohlt – 172 Seiten (Taschenbuch) – 9,99€

ISBN 978-3499228544


Dieses Buch las ich im Rahmen der Bücherkultur Challenge

Advertisements