Die Wende – Hoffnung, Bangen … und viel Liebe

Das Buch: Herbst 1989. Für die 18jährige Ania bricht das geregelte Leben aus allen Fugen: Freunde verschwinden, Träume platzen. Da entdeckt sie auf den Leipziger Montagsdemos ihre erste Liebe Bernd wieder. Er bringt die Hoffnung zurück in ihr Leben. Doch die Panik vor dem Ungewissen bleibt. Und bei Ania geht es eigentlich sehr drunter und drüber in der Zeit der Wende….

Kathrin Wildenberger - Montagsnächte

Das Fazit: So wild und stürmisch die Wende war – so ist auch dieses Buch. Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden in einer Zeit, wo keiner wusste, was kommen mag. Und Ania ist anfangs ein etwas naives Mädchen, dass durch die Geschehnisse in Leipzig und ihrem Heimatort die Augen geöffnet werden. Und man merkt und fühlt mit ihr, wie dieser innere Konflikt in ihr wütet. Sie wird im Laufe der Geschehnisse selbstbewusster und stärker. Und so werden auch ihre Gedanken klarer, umso weiter die historischen Geschehnisse voranschreiten.

Vielleicht kann man Mut lernen. Seite 68

Aber auch der geheimnisvolle Bernd tritt immer in den besten Momenten in ihr Leben. Bernd sorgt für den gewissen Herzschmerz in der Geschichte und wird eine Konstante in Anias Leben. Doch eigentlich ist sie ja schon an einen anderen Mann vergeben. Der geneigte Leser erkennt hier schon, worauf ich hinaus möchte: die klischeebesessene Dreiecksgeschichte. Dies trifft natürlich auch auf die Liebe zwischen Ania und Bernd zu. Doch hier wird absolut nicht auf diese Liebesbeziehungen gebaut. Diese sind eher um die Geschichte der Wendezeit herumgebaut, ohne klischeehaft zu wirken. Sehr erfrischend.

Wir wissen, woher wir kommen, aber nicht, wohin wir gehen. Seit Jahren versuchen wir, in Verhältnissen zu überleben, die uns so gut wie keinen Raum lassen. Wir sind Profis im Tarnen und Täuschen, im Improvisieren und Flüchten. Jetzt, wo wir die Gelegenheit haben, etwas zu ändern, sind wir überfordert, denn wir haben nur gelernt, Strukturen zu nutzen, die es schon gibt. Seite 203

Trotzdem werden die geschichtlichen Ereignisse nicht trocken dargelegt. Sie passen zu den Erlebnissen von Ania. Man fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Mit all den Sorgen, Ängsten, Hoffnungen. Aber nicht nur die bekannten Geschehnisse haben hier ein Wort gefunden. Auch die Gedanken unterschiedlicher Menschen werden aufgezeigt. Denn nicht jede Person war voller Hoffnungen. Viele Welten sind einfach so zerbrochen. Und auch diese eher düstere Seite der Wende wird hier ganz natürlich mit aufgegriffen.

Neben all dem Lob gibt es doch einen kleinen Kritikpunkt: anfangs werden doch viel zu viele Begriffe aus der Produktwelt der DDR genannt. Es kam das Gefühl auf, dass diese bewusst an dieses Stellen genannt wurden. Leider wirkt das ein wenig zu gewollt und störte doch den Lesefluss. Es kann aber auch einfach sein, dass ich die Begriffe einfach zu sehr kenne. Für diese Wörter befindet sich übrigens ein Glossar am Ende des Buches. Man merkt dem Buch durchaus an, dass dieses historische Ereignis der Wende der Autorin sehr am Herzen lag (und immer noch liegt) und diese Thematik einfach einer breiten Leserschaft näher bringen möchte.

Wir müssen wach bleiben und alles auf einen zukommen lassen. Wir müssen lernen, dass es nicht auf jede Frage eine zufriedenstellende Antwort gibt und dass alles Zeit braucht. Seite 198

Zusammenfassend ist es ein super Buch über das Erwachsenwerden in einer sehr wirren und sehr geschichtsträchtigen Zeit. Zusammen mit der perfekten Liebesgeschichte ist ein sehr empfehlenswertes Buch gelungen. Also Lesen!!!

5 Sterne

Duotincta – 276 Seiten (Softcover) – 14,99€

ISBN 978-3-946086-18-5

Advertisements