Genie und Wahnsinn?

Das Buch: Der Millionär entdeckt zufällig auf dem Passagierdampfer, dass der Schachweltmeister mit an Bord ist. Er macht sich auf und handelt eine Partie mit ihm aus. Der Schachweltmeister Mirko Czentovic gegen eine Hand voll Elitemänner. Chancenlos sind sie gegen den Weltmeister. Bis der unbekannte Österreicher Dr. B eingreift. Er berät die Elite und holt dadurch ein Remis aus. Doch Dr. B möchte keine zweite Partie. Auf Drängen der Elite erzählt er, warum er so gut Schach kann. Und tritt dann doch zu einer zweiten Partie an. Dieses Mal nur der Weltmeister gegen Dr. B. Und die Elite schaut zu.

Stefan Zweig - Schachnovelle

Fazit: Klassiker sind schwer zu rezensieren. So auch hier. Es ist wieder so ein Buch über Genie und Wahnsinn. So etwas mag ich ja. Denn die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist hauchdünn. Hier geht es um das Leben des Dr. B. Ein Genie ist er im Schach, doch der Wahnsinn lauert gleich dahinter. Denn mit dem Schach kommt der Wahnsinn. Wie das alles so kam, erzählt er eindringend der Elite. Verstanden haben diese das wohl nicht. Der Leser aber umso mehr. Man spürt seinen Wahnsinn und die Angst vor dem Spiel.

„Aus der Spielfreude war eine Spiellust geworden, aus der Spiellust ein Spielzwang, eine Manie, eine frenetische Wut, die nicht nur meine wachen Stunden, sondern allmählich auch meinen Schlaf durchdrang.“ Seite 83

Das Geplänkel um die Elite, die unbedingt Schach gegen den Schachweltmeister spielen wollen ist der komplette Gegensatz zu dem Leiden des Dr. B. Man kann mit Geld alles erkaufen, auch eine Partie gegen den Schachweltmeister. Doch Empathie ist ihnen fremd. Sie überzeugen Dr. B. trotz der Hintergrundgeschichte zum weiteren Spiel.

Geendet hat dann das Buch doch eher unspektakulär. Schade. Ich habe mal wieder mehr Drama erwartet. Macht aber nichts. Die Intention kommt klar herüber.

Zusammenfassend ist es eine kleine Lektüre mit großem Inhalt. Lesen!

4,5 Sterne

Fischer Verlag – 110 Seiten (Taschenbuch) – 5,95€

ISBN 978 359 621 522 5

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