Zu einfach gestrickt nach Schema F(itzek)

Das (Hör)Buch: Emma wurde in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Von einem unbekannten Wiederholungstäter, der „Frisör“ genannt wird. Doch sie kommt mit dem Leben davon (als Einzige von vielen Frauen). Aber nun leidet sie und traut sich nicht vor die Tür. In jedem Mann sieht sie ihren Peiniger. So schließt sie sich ein in ihrer großen Villa am Ende der Straße. Doch dann klingelt es und der Postbote steht vor der Tür: Mit einem Paket für den Nachbarn. Diesen kennt sie komischerweise nicht, nimmt das Paket aber trotzdem an. Und so beginnt der Alptraum…

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Fazit: Mein erster Fitzek!!! Endlich!!! Aber irgendwie kann ich den Hype um die Geschichten des Autors nicht ganz verstehen. Aber man merkt, auf welche Zielgruppe die Bücher abzielen: einfach strukturiert, einfache Sprache, Spannungsaufbau vorhersehbar und eine ziemlich dumme langweilige Protagonistin. Ich hoffe, dass die anderen Bücher des Autors besser gestrickt sind. Wenn nicht, würde jedes Buch gleich klingen – nur die Ausgangsstory wäre anders. Und das wäre echt schade.

Aber nun zum Buch: Hauptmerkmal der Story ist das Springen zwischen den Zeitebenen. Und zwar hauptsächlich zwischen 3 Wochen davor und 3 Wochen später. Wenn man wie ich das Hörbuch hört, ergibt dies kaum Sinn. Zumal man kaum hinterherkommt, wo Emma gerade ist. Als Buch würde dieses Manko wohl kaum auffallen.

Die Charaktere sind alle sehr leicht und einfach gezeichnet. Emma kommt sehr naiv und so gar nicht als gelernte Psychiaterin herüber. Natürlich hat sie schreckliche Dinge erlebt. Aber auf einmal kann sie ja doch aus dem Haus gehen um beim Nachbarn zu klingeln. Was danach passiert, möchte ich hier nicht spoilern. Aber ehrlich: nach so einem Hintergrund, wie Emma ihn hat, ist dies völlig abstrus. Da kann man durchaus öfters mit dem Kopf schütteln.

Das führt uns auch gleich zu der Story. Man merkt wie Fitzek versucht die Spannung aufzubauen. Aber so richtig in Fahrt kommt diese nicht. Immer wenn man denkt, dass es losgeht, ist es auch schon wieder vorbei. Das Springen zwischen den Zeiträumen trägt kaum zu dem zu gewollten Spannungsaufbau bei. Die zwischenzeitlich sehr abstruse Szenerie mit vielen Leichenteilen, einen sehr hinterhältigen Todkranken und viel Blut und Tote (alles an einem Nachmittag in einem Garten) birgt doch eher Lacher wegen so simpler Einfallslosigkeit. Die ganze Zeit hatte man das Gefühl, dass alles zu gewollt herüberkommt. Es muss spannend sein. Es muss einen Keychange haben. Es muss (mehr oder weniger) brutal/eklig werden. Und man merkte, dass Fitzek die Story nach einem Schema F (Schema Fitzek) schrieb. Aber anscheinend funktioniert es. Noch.

Zusammenfassend ist dieses Buch durchaus okay. Für ein Buch am Strand beim Sonnenbaden im Urlaub wird es schon reichen. Mehr sollte man hier nicht erwarten. Es ist keine neue Neuerfindung des Genres. Wer aber Fitzek eh schon mag, wird hier wohl auch keine Enttäuschung finden.

3 Sterne

Droemer – 368 Seiten (Hardcover) – 19,99€

ISBN: 978-3426199206

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