Unaufdringliche Glaubensfragen aus Kindersicht

Das Buch: Eines Tages entdeckt Fynn ein kleines Mädchen in seinem Viertel. Doch woher sie kommt, mag sie nicht sagen. Und so wird das kleine Mädchen Anna in Fynns Familie aufgenommen – einfach so. Ganz unkompliziert. Und Anna schmeißt das Leben von Fynn ziemlich durcheinander. Und das nicht durch irgendwelche schlimme Taten. Denn Anna fragt viel. Sehr viel. Und das sehr direkt. Und immer dabei ist Mister Gott.

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Das Fazit: Es ist ein einfaches Buch. Und so einfach Anna in das Leben von Fynn tritt, so einfach wird es dem Leser gemacht. Ohne viel Schnörkel wird die kleine Lebensgeschichte von Anna erzählt. Und das das ganze böse enden wird, wird schon auf Seite Eins dem Leser klargemacht. Leider hinterlässt dies einen faden Beigeschmack. Denn man wartet das ganze Buch über auf das schlimme Etwas, das passieren wird. Zum Ende wird es doch sehr sachlich, zu nüchtern und kurz abgehandelt.

„Anna sah Schöpfung dort, wo andere nur Chaos und Unordnung fanden. Anna sah Dinge, wo andere gar nichts erblickten. Und das war wohl ihre Gabe, ihr Anderssein.“ Seite 63

Das Highlight des Buches ist offensichtlich Anna. Wenn man so liest, was sie alles sagt und wie sie es sagt – dann könnte man meinen, dass Anna viel älter ist. Doch hier im Buch ist sie zwischen 5 und 8 Jahre alt. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass in so einem Alter solche Gedanken kommen könnten. Aber andererseits sind Annas Gedankengänge wunderbar. Es regt dem Leser durchaus zum Nachdenken an. Diese Unverblümtheit und Klarheit im Glauben ist wunderbar.

Und da sind wir schon beim Glauben gelandet. Dieses Buch hat einen sehr religiösen Touch. Aber nicht aufdringlich und keinesfalls missionarisch (denn da würde es hohen Punktabzug geben). Anna hat einen starken Glauben. Und das ist doch nicht verkehrt, oder? Eigentlich regen Annas Gedanken sehr zum Nachdenken an: Was ist Glaube überhaupt? Braucht man einen Gott? Doch Anna zeigt vor allem eines: es ist okay zu glauben. Oder auch nicht. Solange jeder an das glauben darf woran er möchte. Und natürlich Akzeptanz. Jeder kann träumen und akzeptieren.

Gegen Anna kann natürlich Fynn nicht ganz mithalten. Auch wenn er diese Geschichte erzählt, fällt er leider doch ab. Aber seine Aufgabe ist auch eher der Bewunderer. Durch ihn wirkt Anna noch größer, intelligenter und besser als sie wohl eigentlich in der Realität ist.

Sprachlich sind doch einige schöne Stellen in diesem Buch zu finden. Vornehmlich natürlich zum Glauben, aber auch zum Leben überhaupt. Und da verwundert es kaum, dass solche Sprüche ausschließlich von Anna kommen.

Zusammenfassend ist dies ein Buch für ein wenig Zufriedenheit zwischendurch. Dieses Buch bringt dem Leser zum Lächeln, Nachdenken und ein kleines bisschen Traurigkeit gehört auch dazu.

„Sterben erforderte ein bisschen Vorbereitung, und die einzige Vorbereitung auf das Sterben war, wirklich zu leben.“ Seite 142

3 Sterne

Fischer Verlag – 5,95€ Taschenbuch – 173 Seiten

ISBN: 978-3596148035

Dieses Buch las ich im Rahmen der Bücherkultur-Challenge. Hier kommt ihr zu meiner Challengeseite.

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