Ein unvergesslicher, herzerwärmendes aber auch bittersüßes Buch

Das Buch: Claire hat Alzheimer. Mit Anfang 40. Und damit muss sie sich nun wohl oder übel abfinden. Tut sie aber nicht immer. Denn immer mehr vergisst sie. Allen voran ihren Ehemann, die Liebe ihres Lebens. Doch wirklich traurig ist sie nicht darüber. Sie hat es vergessen. Und das merkt nicht nur ihr Ehemann. Auch Claires Mutter, die wieder bei ihr einzieht, und ihre beiden Töchter merken die Verwandlung. Und so fangen alle an ein gemeinsames Buch zu schreiben: für Claire und gegen das Vergessen.

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Das Fazit: Eins vorneweg: dieses Buch ist keine Krankheitsstudie. Auch nicht, wie Claire bemerkt, dass sie Alzheimer hat. Die Diagnose steht schon fest und die Familie lebt schon einige Monate damit. Dann steigt das Buch erst ein: Claires Krankheit wird intensiver und ihre Mutter muss ihrer Tochter und den Enkeln helfen. Es geht um diese Belastung innerhalb der Familie. Zumal ja die große Tochter Caitlin auch noch ihre ganz eigenen Probleme hat, die auch noch gelöst werden müssen.

„Ich dachte, ich würde mich mit der Zeit daran gewöhnen, wie sie [Anm.: Claire] sich immer wieder aus unserem Leben aus- und wieder einklinkt, aber das tue ich nicht. Mit jedem Mal werden die Einklinkphasen kürzer und die Ausklinkphasen länger.“ S. 207

Und so wird meist aus der Sicht von Claire und Caitlin die Situation beschrieben. Aber auch Claires Mutter und der Ehemann Greg kommen durch die Briefe zu Wort. Denn diese Briefe, die das geschriebene Buch darstellen enthalten die Erinnerungen der Personen an Claire. Diese sind zwar nett, aber meist auch unnötig. Passen tun sie jedoch schön in das Gesamtbild des Buches. Von daher sollte man diese Zwischenstücke nicht gänzlich überlesen.

Stilistisch schafft es die Autorin die herzliche Wärme der Familie auf den Leser zu übertragen. Natürlich ist dies leichte Kost, doch bei weitem kein Chick-Lit. Frau Coleman hat es geschafft, eine Krankheit und ihre Auswirkungen auf die ganze Familie nicht zu tragisch aber auch nicht zu arg kitschig darzustellen. Natürlich darf ein wenig Kitsch nicht fehlen. Das betrifft nun einmal das Liebesleben von Claire und von Caitlin. Aber hier hat es gepasst. Punkt.

Wer also vor dem großen Wort „Alzheimer“ nicht zurückschreckt und eine liebenswerte (und ein wenig traurige) Geschichte mag, wird hier sicherlich keinen Fehler machen. Und die etwas zur Story abfallenden Brieferinnerungen sind da schon zu verschmerzen. Es ist ein herzerwärmendes Buch, dass vor einer großen Krankheit nicht zurückschreckt.

4 Sterne

Weltbild Verlag – 11,00 € – 397 Seiten

ISBN: 978-3-95569-757-0

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