Noëlle Châtelet – Die Dame in Blau / Die Klatschmohnfrau / Das Sonnenblumenmädchen

Eine Trilogie über das Stehenbleiben und der Liebe

Die Dame in Blau

Das Buch: Mireille ist Mitte 40 und rennt durch ihr Leben. Der Beruf ist stressig und fordert ihre ganze Zeit. Doch plötzlich sieht sie in der schnell dahintreibenden Menschenmasse eine Dame in einem blauen Kostüm. Diese bewegt sich sehr langsam vorwärts, ganz anders als der Fluss der Menschenmasse. Und Mireille ist fasziniert von dieser Langsamkeit. Und so beschließt sie, ihren Job aufzugeben und nur noch im Jetzt zu leben. Und das ganz Gemütlich. Ganz zur Verwunderung von Mireilles Tochter und bester Freundin….

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Fazit: Irgendwie wird man mit Mireille nicht warm. Es schreit nach einer Midlifecrisis ihrerseits. Denn auch wenn der Job stressig ist, dass man alles so hinwirft wie sie? Das wird hier nicht erklärt. Es geht auch kaum um das Warum – eher wie Mireille es anstellt und ihre Tage nun so verbringt. Was sie dort erlebt ist in keiner Weise spannend. Doch das ist wohl der Aussage von der Autorin. Daher treibt dieses Buch nur auf der Oberflächlichkeit. Denn was passiert, wenn die Langeweile langweilt? Und das wird der Protagonisten über kurz oder lang doch passieren. Schade, dass diese Gegenseite absolut nicht beleuchtet wird. Da helfen auch die verständnislose Freundin und die Tochter wenig.

Die Autorin schreibt locker und leicht dieses kurze Werk dahin. Aber eben ohne diesen gewissen Gegenpol. So bleibt es leider nur ein Buch, was man lesen kann, aber nicht unbedingt muss.

Die Klatschmohnfrau

Das Buch: Im zweiten Teil der Trilogie geht es nun um die ominöse Dame in Blau. Sie heißt Marthe und findet im hohen Alter endlich und sehr unverhofft die erste große Liebe. Und das ausgerechnet in ihrem Lieblingscafé. Was da so alles passiert und vor allem ihre Familie (Kinder und Enkel) auf den neuen Mann reagieren?

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Fazit: Im Gegensatz zum ersten Teil, wo es nur um das Stehenbleiben handelt, geht es hier weitaus ernster zu: es dreht sich um die Liebe. Und auch wenn das hohe Alter der Protagonistin abschreckt, es handelt sich erfrischend echt um eine Geschichte über die allererste Liebe. Und selbst Marthes verstorbener Mann aus der Vergangenheit findet hier Platz und schafft die Tiefgründigkeit der einzig wahren Liebe der jetzigen Marthe.

Weiterhin ist dieses kleine Zusammenspiel mit dem ersten Buch durchaus erfrischend. Handelt es sich dort um ein Stillstehen, so bricht Marthe zu neuen Welten auf. Genau das Gegenteil von dem, was Mireille (aus dem ersten Buch) an Marthe (die Dame in Blau) so toll fand. Und so erhält der erste Teil der Trilogie doch noch  einen Zusatzpunkt und verbindet diese Bücher weit mehr als es die Hauptcharaktere je könnten.

Zusammenfassend ist der zweite Teil wesentlich besser ausgearbeitet und tiefgründiger. Die Lockerheit des ersten Teiles wird aber hier positiv fortgesetzt. Und ist auch unabhängig vom ersten Teil durchaus eine Lesung wert.

Das Sonnenblumenmädchen

Das Buch: Mathilde, die kleine Enkeltochter von Marthe, fährt mit ihrer Mutter wie jedes Jahr in den Sommerurlaub. Doch leider geht es nicht wie immer ans Meer, sondern einfach nur in die Provence. Und dort trifft sie ziemlich schnell auf den Nachbarsjungen vom Bauernhof. Und verliebt sich….

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Fazit: An sich hat die Autorin wieder eine wundervolle Geschichte über die erste Liebe geschrieben. Hier eher die erste Ferienliebe. Und das mit allen Ängsten, Hoffnungen und Bangen. Somit ist schriftstellerisch dieses Buch das stärkste der Trilogie.

Doch leider, leider gibt es ein großes Manko. Und das wird nur ersichtlich, wenn man den zweiten Teil, „Die Klatschmohnfrau“, gelesen hat. Denn dann weiß der Leser das Alter von Mathilde. Denn diese ist erst 6 Jahre alt. Und das passt absolut nicht zu dem doch sehr jugendlich angehauchten Buch.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine sechsjährige wirklich all die Ängste und Hoffnungen erlebt wie eine Erwachsene. Nicht in diesem Maße. Denn Mathilde denkt sehr oft über das nach, was sie tut und welche Konsequenzen das Handeln haben würde.

So bleibt dieses doch eigentlich stärkste Buch in dieser Reihe doch mit einem faden Beigeschmack in Erinnerung.

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Zusammenfassung Trilogie:

Diese Trilogie hat doch recht kurze Bücher. Doch es sind drei eigenständige Geschichten, die auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Denn die Verbindungen zwischen den Geschichten sind nur gering – nur durch Nebendarsteller der anderen Bücher.

Man wird das Gefühl nicht los, dass die Autorin etwas großes Schaffen wollte und doch kläglich gescheitert ist. Denn während das erste Buch sich noch um ein Problem dreht, was unkonventionell gelöst wird, handeln die beiden Nachfolger nur über die Liebe. Natürlich sehe die kleine Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Band. Doch wie das dritte Buch in diese Reihe passt, bleibt mir verschlossen.

Und so sind es doch letztendlich drei eigenständige Geschichten, die ein kurzes Verweilen im französischen Flair und Ausflüge nach Paris und in die Provence versprechen.

Reihe:

Die Dame in Blau, ISBN 978-3462036572, 144 Seiten

Die Klatschmohnfrau, ISBN 978-3462029970, 176 Seiten

Das Sonnenblumenmädchen, ISBN 978-3462030464, 176 Seiten

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