Ein kühler Blick auf das kalte Russland der 80er Jahre

Das Buch: Nastja wächst in einem trostlosen Vorort Moskaus in den 80er Jahren auf. Sie erzählt in Erinnerungen über ihre erste Liebe, Freundschaft, eigensinnige Personen und über diesen sonderbaren Ort überhaupt.

Fazit: Dieses Buch ist ein sehr untypischer Roman. Es ist ein Misch-Masch aus Autobiografie, Erzählung und Roman. In kurzen Kapiteln werden Einblicke in das Leben des Örtchens gegeben. Und dabei geht es nicht nur unbedingt um Nastja. Auch andere Personen werden betrachtet, die irgendwie im Zusammenhang mit Nastja stehen. Und Nastja kennt so einige Menschen. Das wird gegen Ende doch ein wenig zu abstrakt.

Aber auch Nastja selbst bleibt immer im grauen Nebel versteckt. Man wird mit ihr nicht warm. Warum sie so handelt, wie sie handelt? Das erfährt der Leser zu keinem Zeitpunkt im Buch. Warum die Beziehung zu ihrer Mutter nicht die Beste ist? Tja, man kann nur erahnen, dass das wohl mit der Pubertät zusammenhängt. Aber die Hintergründe bleiben leider im ganz Dunklen verschollen.

Sprachlich ist das Buch ordentlich geschrieben. Doch die doch sehr gewollten derben Ausdrücke in der vorwiegend ersten Hälfte des Buches irritieren doch. Das hat nix mit der Story zu tun, helfen der Situation nicht und man wird das Gefühl nicht los, dass die Autorin bewusst diese Ausdrücke wiederholt einsetzt, um die Leseprobe ein wenig mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dabei hat das Buch diese Ausdrücke gar nicht nötig. Es wird auch so eindringlich die Welt beschrieben.

Zusammenfassend zeigt dieses Buch so das harte russische Leben in einem Vorort Moskaus ohne Hoffnung auf Ausbruch aus dieser Szenerie. Unverblümt werden die Geschehnisse dargestellt, ohne viel Schnickschnack. Kapitelweise werden kleine Vorkommnisse beleuchtet. Wer auf solche Geschehnisse steht, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.

Frankfurter Verlagsanstalt – 217 Seiten – 19,90€

4 Sterne

 

 

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