Ein schlafloser Thriller als sehr gute Einschlafhilfe

Das Buch: Christina wacht am Morgen auf. Und kann sich nur an ihre Kindheit erinnern. Weder ihren Mann noch ihre Umgebung erkennt sie wieder. Und so geht es jeden Morgen, Tag für Tag. Doch so langsam wird ihr dieses ungewisse Leben überdrüssig. Und sie beginnt mit der Hilfe eines Arztes heimlich ein Tagebuch zu führen. Und sie entdeckt dabei Sachen, die sie stutzig machen lässt. Denn es gibt so einige Ungereimtheiten zwischen ihrem Tagebuch, den Aussagen des Arztes und dem Verhalten ihres Mannes. Dies alles führt Christine zurück auf den Tag, als sie das Gedächtnis verlor. Was passierte da, dass sie nun durch den Tiefschlaf alles wieder vergisst?

Fazit: Die Story wird durch Christines Perspektive erzählt. Zum einen findet sie ihr Tagebuch, welches doch zwei Drittel des Buches einnimmt. Immer wieder erzählt sie, was sie weiß und nicht weiß und irgendwie kommt man da nicht wirklich voran. Man fühlt mit der Protagonistin, die einfach immer wieder jeden Tag von vorn anfangen muss. Das ist für sie ziemlich traurig, für den Leser irgendwann mühselig. Zudem kommt knapp nach der Hälfte des Buches das Gefühl auf, dass man selbst Christine nicht trauen kann. Was weiß sie wirklich wann und zu welcher Zeit?

Und nicht nur Christine bleibt undurchsichtig. Auch der Arzt (wie auch immer er mit ihr in Kontakt getreten ist) und ihr Mann bleiben immer nebulös. Klar, das ist auch das Konzept des Buches: traue niemanden. Trotzdem hätte hier ein wenig mehr Liebe zum Detail und Emotionen sehr gut getan. So bleibt es leider nur ein Buch was zwar Spannung aufbauen wollte, ab leider nicht konnte.

Und auch das Ende lässt den Leser mit gemischten Gefühlen zurück. Ja, es gibt ein geschlossenes Ende. Es erscheint aber zu plötzlich, aus heiterem Himmel und ist eigentlich viel zu cheesy für dieses Werk. Und da stellt man sich dann unwillkürlich die Fragen, warum das alles so geschehen ist wie es geschehen ist. Und bleibt am Ende doch fragend zurück: Warum hat man das denn jetzt gelesen?

Stilistisch ist dieses Buch ganz okay. Die Tagebucheinträge wiederholen natürlich sehr viel Stoff aus dem bereits erlebten der Tage zuvor. Es wird mit der Länge des Buches einfach langweiliger, da der Leser dann schon mehr weiß als Christine. Immer wieder stellt Sie sich die gleichen Fragen, Dinge erscheinen ihr immer wieder vom neuen suspekt. Und da kann man ihr ja auch keinen Vorwurf machen. In diesem Zusammenhang wird die Krankheit, der Gedächtnisverlust, kaum thematisiert. Was sehr, sehr schade ist.

Zusammenfassend lebt dieser Thriller ohne große Spannungen. Nur zum Schluß kommt diese ein wenig auf, was dann aber doch zu blass und zu künstlich erscheint. Schade, hier wurde sehr viel Potenzial verloren.

Fischer Scherz Verlag – 397 Seiten – 9,99€

3 Sterne

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