Ein sehr bedenkliches Jugendbuch – Flop des Jahres

Das Buch: Irgendwo im Orient nimmt sich der Kalif jeden Tag eine neue Ehefrau. Am nächsten Morgen bringt er sie um. Doch warum? – Aus Rache bewirbt sich Sharzad als zukünftige Frau des Kalifen. Denn sie möchte ihn umbringen. Doch wird ihr das gelingen? Denn um zu überleben muss sie Märchen erzählen. Doch ob das dem Kalifen überzeugt? Denn da wäre ja auch noch die verhängnisvolle Liebe….

Fazit: Was soll ich nur schreiben? Das Buch klingt eher nach Drama, Liebe und Tod. Wie das in einem Jugendbuch umsetzbar sein sollte? Nicht in diesem Buch. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!

Aber ehrlich: Sharzad möchte den Kalifen umbringen. Das Warum wird auch kurz erklärt. Aber was sie antreibt, um ihr Leben zu riskieren? Keine Ahnung. Warum sie Märchen dem Kalifen erzählt, um am Leben zu bleiben? Keine Ahnung. Diese Erzählung wird auch nie aufgelöst. Warum Sharzad sich in den Kalifen letztendlich verliebt? Keine Ahnung. Passiert aber innerhalb zwei Tage. Warum sie ihn dann immer noch umbringen möchte? Keine Ahnung.

Man merkt, dass einfach der Tiefgang in diesem Buch fehlt. Dieses Zerwürfnis in Sharzad zwischen Hass und Liebe ist leider, leider, leider absolut nicht ausgearbeitet. Dies wäre bei so einem Thema in einem Jugendbuch doch sehr wünschenswert gewesen. Immer wieder wird wiederholt, dass sie den Kalifen unbedingt umbringen möchte. Doch wie sie das anstellen möchte, spielt keine Rolle. Es scheint, als würde ein kleines naives Mädchen mit Hass einfach in das Szenario hineinstürmen – ohne Nachzudenken. Entwickeln tut sich Sharzad aber bis zum Schluss nicht. Eine Reflektion ihrer Taten bleibt leider aus.

Blass erscheint auch der Kalif. Wie ein Fähnchen im Wind ergibt er sich seinem Schicksal. War es ihm vor Sharzad wichtig, jeden Tag eine Frau umzubringen, ist das seit dem ersten Augenblick mit Sharzad absolut nicht mehr wichtig. Dann kann das Ganze ja auch nicht so dramatisch sein, oder? Die gelieferte Erklärung wirkt da eher wie ein nettes Späßchen als eine Rache eines Widerwärters. Dazu kommt, dass er Sharzad in der ersten Nacht vergewaltigt. Das wird zwar nur in ein paar Nebensätzen erwähnt – trotzdem bleibt es eine Vergewaltigung. Und dies gibt ein sehr bedenkliches Bild dem jungen Leser: eine Vergewaltigung ist okay, es kann sogar Liebe daraus werden. Äh…. Nun ja….   Diese Vergewaltigung stieß mir sauer auf und verfolgte mich bis zum Schluss. Hier wäre definitiv mehr Tiefgang nötig gewesen…. Oder gleich diese Szene weglassen. Dass hätte dem Buch gut getan.

Von dem sich anbahnenden Liebesdreieck möchte ich hier nichts schreiben. Davon habe ich genug und möchte es nicht lesen. Auch die Szenen der Rachemänner bleiben ungewiss. Zum Schluss kam dann doch tatsächlich noch ein Schuss Magie mit ins Spiel. Dies erscheint dann leider so, als wäre der Autorin kurz vor Buchende noch eingefallen, dass in einer orientalischen Szenerie ein fliegender Teppich nicht fehlen darf.

Zusammenfassend ist dieses Buch ohne jeglichen Tiefgang. Platt werden die kurzen Tage (eine Woche) von Sharzad erzählt, wie sie mehr oder weniger versucht den Kalifen zu töten. Zudem eine unnötige Vergewaltigung (ohne Entschuldigungen) als Beginn einer angeblich großen Liebe (nach einem Tag), einem erzählten Märchen, das mitten im Buch abbricht (weil es außer dem Kalifen ja eh keinen interessiert), ein eifersüchtiger Kindheitsfreund (Liebesdreieck!), versuchter Mord auf beiden Seiten, rachelustige Dritte und ein fliegender Teppich. Braucht man das? Nein!!!

One Verlag – 389 Seiten – 16,99€

1 Stern

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