Das Streben nach Glück von drei Frauen – im Schatten eines großen und einzigartigen Mannes

Das Buch: Lazarus Lindt ist ein eigensinniger und genialer Wissenschaftler in Russland. Und er beeinflusst das Leben von drei Frauen: Marusja, seine Stiefmutter. Galina, die Ehefrau. Und Lidotschka, seine Enkelin. Dieses Buch erzählt über die Schicksale dieser drei Frauen, die einen gemeinsamen Nenner haben: Lazarus.

Fazit: Vornweg: dieses Buch ist doch eher ein Schicksalsroman über verschiedene Frauen in Russland. Doch trotz all der Tragik ist dieses Werk keine Schmonzette. Lazarus, der Titelgeber wird immer nur Abschnittsweise und aus der Ferne erzählt. Denn im Mittelpunkt stehen ganz klar die Frauen. Und das sind drei starke Wesen mit unterschiedlichen Leben. Und doch verbindet sie der Lazarus. Denn nur durch ihn sind sie geprägt und müssen oft Leid ertragen – auf der Suche nach dem wahren Glück und Zufriedenheit.

Vor dem Hintergrund der russischen Geschichte werden nicht nur die drei Frauen detailiert erzählt. Auch Lazarus erscheint am Ende des Buches für den Leser als eine detailreiche Figur. Trotzdem bleibt Lazarus Lindt im Vergleich zu den drei Frauen sehr blass zurück und kann sich nicht mit dem Titelnamen messen. Auch die drei Frauen erscheinen unterschiedlich groß in diesem Buch. Während Marusja noch sehr kurz und auf einem kurzen Lebensabschnitt begleitet wird, geht das Buch sehr auf die Ehe zwischen Lazarus und Galina ein. Das hat durchaus seine Berechtigung, erscheint im Ganzen doch ein wenig zu wuchtig. Und Lidotschka ist zum Schluss die Leidtragende der Geschichte, die in dem zu großen Schatten des Lazarus steht.

Zum Ende hin rutscht dieses Buch doch ein wenig in den Kitsch ab. Ein paar Seiten kurz vor Schluss passen überhaupt nicht zu dem Rest des Buches und laufen Gefahr, das ganze Werk in ein schlechtes Licht zu rücken. Das Ende ist jedoch wieder schlüssig und schließt doch die Schicksale der Frauen gut ab. Ich blicke also gerade noch so darüber hinweg und schwelge lieber in den Leben der drei Damen.

Textlich ist dieses Buch sehr gut geschrieben. Alleinstellungsmerkmal sind die wenigen wörtlichen Reden. Es scheint, als würde die Autorin lieber erzählen als die Figuren sprechen zu lassen. Das kann für einige ungewöhnlich erscheinen, doch es trifft hier den Ton. Und dieser ist rau und kalt –  harte russische Winter.

Zusammenfassend ist es ein tolles Buch über drei Schicksale in der russischen Geschichte ab 1900. Wenn man über das Intermezzo kurz vor Schluss hinwegsehen kann, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen. Wer auf einen etwas anderen Familienroman in Russland steht, wird hier definitiv nicht enttäuscht werden.

BTB Verlag – 447 Seiten – 21,99€

4 Sterne

 

 

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